Der unscheinbare Platz zwischen Tankstelle Magdeburger Straße und dem Stadtteiltreff Nordend gegenüber der Ochsenwiese wird von vielen gar nicht als Platz wahrgenommen. Parkplätze, Fußwege, ein etwas wild gewordenes Beet und zwei leere Wiesenflächen im Vorfeld des Stadtteiltreffs prägen die Fläche. Aufhalten kann und mag sich dort niemand. Die Fläche fungiert vielmehr als Durchgangsraum zwischen dem Nordend und der Innenstadt sowie als Parkplatz.
Die Gestaltung der Quartiersmitte, zu der auch diese Fläche gehört, ist bereits seit Beginn des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ als prioritäres Projekt im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) auf der To Do – Liste der Umgestaltungsmaßnahmen. Spätestens mit der Eröffnung des Stadtteiltreffs Nordend, der seit 2022 dort durch den Träger Grümel im Auftrag des Amts für Jugend, Familie und Senioren zahlreiche soziale und gemeinschaftsfördernde Angebote für verschiedene Zielgruppen anbietet, fiel die Aufmerksamkeit der Akteure und Anwohnerschaft rückte die Fläche zunehmend in den Fokus. Gleichzeitig gab es zwischenzeitlich Unklarheiten, wie die zwischenzeitlich geschlossene Tankstelle künftig genutzt wird.
2023 wurden zunächst temporär zwei Sitzbänke auf den leeren Wiesenflächen vor dem Stadtteiltreff aufgestellt. Bereits die Aufstellung der Sitzbänke erfolgte unter Beteiligung der Anwohnerschaft, die teils auch Lärm und Vermüllung in der Konsequenz befürchteten. bes. Tatsächlich wurden die Sitzbänke sehr gut und verantwortungsvoll angenommen, sodass die Idee, den Platz in größerem Ausmaß umzugestalten, weiterverfolgt wurde.
Im Mai 2024 wurde die Anwohnerschaft und die Akteure zur intensiveren Ideensammlung und Mitgestaltung aufgefordert. Auf dem Platz fand zum Tag der Städtebauförderung ein Beteiligungsformat statt, bei dem alle Teilnehmenden ihre Ideen für den Platz im Modell bauen konnten und/oder an Plakaten aufgeschrieben haben. Das Ergebnis war eindeutig: Die Menschen im Nordend wünschten sich mehr Grün und mehr Treffmöglichkeiten auf dem Platz. Aus der Beteiligung ging jedoch auch hervor, dass die Sorge vor dem Wegfall von Parkplätzen im Quartier groß war.
Aufgrund der intensiv geführten Diskussion, ob es auf dem Platz Stellplätze braucht oder nicht, wurde im Frühjahr / Sommer 2025 ein Testlauf gestartet. Über eine durch die AG Nahmobilität Hessen geförderte, temporäre Sitzmöbelaktion (Aktion „Straßen neu entdecken“) wurde der Platz zu einem Modellprojekt. Zwischen März und Juni wurden der Parkplatz temporär gesperrt und mit Sitz- und Pflanzkübelelementen ein Begegnungsort geschaffen. Über eine aufgestellte Pinnwand konnten Kommentare und Anregungen sowie Kritik vor Ort abgegeben werden.
Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass die Aktion bei einem Großteil der Anwohnenden auf großen Zuspruch gestoßen hat (72 % der abgegebenen Kommentare). Mehr Lärm oder Vermüllung des Platzes konnte nicht festgestellt werden. Etwa 18 % der abgegebenen Kommentare fielen aufgrund wegfallender Parkplätze kritisch aus. Insgesamt hat die Aktion gezeigt, dass der Bedarf an Begegnungsorten im Nordend hoch ist und der Platz als solcher gut geeignet ist.
Auf Grundlage der durchgeführten Beteiligungsaktionen wurde die Planung konkreter. Insgesamt kann dem Wunsch der Bewohnerschaft nach mehr Grün und mehr Aufenthaltsqualität gut entsprochen werden und gleichzeitig der Fokus auf den Bereich Klimaanpassung und den Klimaschutz gelegt: neben einer großflächigen Entsiegelung und der Schaffung von neuen Pflanzbeeten mit insektenfreundlicher, klimaangepasster Bepflanzung wird der Klimapavillon ein Highlight auf dem Platz bilden. Dieser kann von der Landesgartenschau wiederverwendet und mit Rankpflanzen und einer Sprühnebelanlage auf dem Platz als schattenspendendes, kühlendes Element einen Rückzugsort für immer heißer werdende Sommer bieten. Neue Sitzmauern mit eingraviertem Schach- und Mühlebrett sowie ein öffentlicher Bücherschrank und ein durch Anwohnende bepflanzbares Hochbeet laden zum nachbarschaftlichen Austausch ein.
Die Sorge vor dem Wegfall der Stellplätze wurden ernst genommen und mit einer Kompromisslösung aus weniger Stellplätzen, die platzsparender angeordnet werden, begegnet.
Die Planung wurde im intensiven Austausch mit dem Fuldaer Spar- und Bauverein entwickelt, da der Platz sich teilweise auf dessen Grundstück befindet, was aber nach Umgestaltung des Platzes nicht wahrnehmbar sein soll. Die Wohnungsbaugesellschaft beteiligt sich an der Hälfte der Kosten auf eigenem Grundstück.
Die Ende September begonnene Baumaßnahme soll je nach Witterung im Frühjahr 2027 fertiggestellt werden. Die Bauarbeiten werden durch die Firma Tizian Heil Gartenlandschaftsbau aus Eichenzell durchgeführt. Leider muss der Platz zeitweise komplett gesperrt werden. Eine Wegeverbindung vor dem Stadtteiltreff bleibt durchgängig erhalten. Barrierefrei ist jedoch nur der Umweg entlang des Kreisels an der Wörthstraße. Ziel ist, den barrierefreien Durchgang entlang des Tankstellengrundstücks schnellstmöglich wieder für den Fuß- und Radverkehr freizugeben.
Die Maßnahme wird zu je einem Drittel aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt über das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert.